Kontrolle oder freie Entfaltung? Wer leidet, wer gewinnt? Jeder der die Wirtschaftspolitik beobachtet steht seit Jahren vor einer Frage: Brauchen wir mehr oder weniger Regulierung durch den Staat? Beide Positionen haben ihr Für- und Wider, beide scheinen nachvollziehbar. Wer hat nun Recht? Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten, wahrscheinlich sogar gar nicht. Fest steht eines: Die globalen wirtschaftlichen Maßnahmen zielen seit den letzten Jahrzehnten vor allem auf freie marktwirtschaftliche Entwicklung ab. Hiervon bleibt auch die Landwirtschaft nicht verschont. So werden immer mehr gesetzliche Regelungen und Einschränkungen aufgelöst. Das soll es ermöglichen, Produkte günstiger anzubieten. Die Theorie funktioniert indem Länder, die für bestimmte Waren prädestiniert sind, diese herstellen und exportieren. Gleichzeitig importieren sie Nahrungsmittel welche in anderen Staaten günstiger angebaut werden können.
Diese liberalisierenden Maßnahmen im Agrarsektor helfen allerdings vor allem einem: Nämlich den internationalen Großkonzernen. Mit den Möglichkeiten der industriellen Produktion und Massenanfertigung, gleichzeitig internationaler Vermarktung können umfassende Mengen günstig an die breite Masse verkauft werden. Schon jetzt dominieren bestimmte Konzerne große Teile der Produktion einer bestimmten Ware, zum Beispiel Cargill, eine US Firma, die 15% des gesamten Maishandels dominiert. Wie effektiv solche Unternehmen dank der Liberalisierung wirtschaften können, zeigt sich wenn man die anderen Zweige des Unternehmens ansieht: Transport und Dienstleistungen. Das Produkt kann somit günstig produziert, vertrieben und verkauft werden. Dank der Deregulierung des Agrarsektors entstehen Bedingungen, die Kleinbetriebe immer weniger konkurrenzfähig machen. Das liegt an zwei Aspekten: Erstens sind Kleinbauern weder als Kunden, noch als Lieferanten für diese Wirtschaft interessant. Zweitens bekommen sie durch die kostengünstigeren Produkte aus dem Ausland eine Konkurrenz, die sie im Preis nicht unterbieten können. Die Liberalisierung der Agrarmärkte hat noch einen weiteren Nachteil: Dadurch, dass die ländliche Produktion immer mehr zurückgeht, besteht für viele Länder keine Möglichkeit mehr Nahrungsmittel selbst zu produzieren. Daraus entsteht eine Abhängigkeit, welche wirtschaftlich gnadenlos ausgenutzt werden kann. Den Prozess unterstützt noch die Deregulierung der Finanzmärkte: Spekulationen mit Lebensmitteln sind keine Seltenheit. Durch die massiven Investitionen in Lebensmittelmärkte entfremdet sich die Nahrungsmittelproduktion von der Nachfrage des Volkes und richtet sich immer mehr nach dem Interesse der globalen Finanzmärkte. Darunter leiden vor allem arme Menschen in den Importländern. Heute schon müssen diese teilweise 80% ihres Einkommens für den Erwerb von Lebensmitteln ausgeben.
Bei so vielen negativen Folgen fragt man sich: Warum dann das Ganze? Die Antwort ist einfach: Weil Milch im Supermarkt 11 Cent kosten soll und nicht 30 Cent. Mitteleuropäische Länder und ihre Bewohner sind die Gewinner dieser Politik. Bei uns Sinken die Preise und die Kunden sind zufrieden. Auch unsere Firmen gewinnen am Internationalen Handel und fördern die nationale Wirtschaft. Somit gibt es Gewinner und Verlierer und solange jemand davon profitiert, lässt sich kein klares Urteil über die Frage nach Deregulierung oder Regulierung fällen.